hélas, wie unerbittlich nagst du, blinkender zeitenzahn! vor einem vierteljahrhundert war ich noch ein gertenschlanker jüngling mit lockigem haar.

ausserdem war ich gemüsechauffeur im dienste von herrn bobak (hat gott ihn schon selig?) – nicht immer erfolgreich. jedenfalls ist mir mal anlässlich einer heimlieferung ein kistchen tomaten entglitten. die tomaten sind dann die strasse runtergerollt. dank sprintqualiäten des chauffeurs konnten sie wieder eingefangen werden – leicht havariert. das war genau am fusse des dolder. jetzt stehe ich – haarlos und fett – wieder am fusse des dolder, bzw. des "the dolder grand *****", denn heute darf das volk sich anschauen, was grossarchitekt foster mit den 400 millionen von grossfinancier schwarzenbach gemacht hat. als angehöriger des volkes weiss ich nicht, ob ich einmal als zahlender gast im dolder grand schnarchen werde. wenn ja, dann richtig: im 14000-franken-die-nacht-stübchen und mit carla bruni (aber nur platonisch) – bis dahin hat sie sich ja sicher vom zwerg getrennt.
aus stein ist der atlanten-zwerg (bild oben links), der gelassen niederblickt auf das volk, das (ohne zu randalieren, nur 2 kleine "feldschlösschen" sind in der menge zu orten) schlange steht. wie üblich sind alle andern schneller - man ist eben kein alphatier. jetzt überholt mich auch noch das perlohr (es ist schmalzfrei) und die mit dem perlohr liierte rabenschwarze gucci-sonnenbrille. endlich drin: in der vitrine funkelt ein vertikal komponiertes diamanten-collier von cartier, das sich in einem russ-meyer-décolleté sehr gut macht. der güldene bier-zapfhahn reposiert noch, noch sind die whisky-flaschen voll. es gibt nichts zu knabbern und zu schlucken fürs volk, denn schliesslich sind wir hier nicht an einer turnhallen- oder kirchgemeindehaus-eröffnung. das macht aber nichts, denn wir sympathisieren mit der edeln gattung der astomoi, die, mundlos, sich ausschliesslich von gerüchen ernährt. auch pinkeln und defäkieren muss man ante portas. flauschige folien schützen wand und boden: sorgsam bewahrte jungfernschaft.
bei der denkmalgeschützten "suite deluxe" sagt staff nr. 50a (in black) "bitte links abzwiige oder graduus gah. schnäll luege und wider use!" ich weide mich astomisch. die kuscheldecke im nicht denkmalgeschützten zimmer 1309 ist fliederfarben - das ist löblich: passt du carla. im 4000-quadratmeter-spa (das auch valablen nicht-hotelgästen zur verfügung steht), liegen die "hildon"-wasserflaschen seriell-militärisch in plexiglas-röhren. im spa-café gibts würfelzucker beruhigenderweise in weiss oder naturbraun. für die reife dame, die ab april hier ein und aus gehen wird, liegt schon der "skin caviar" von "la prairie" im regal. aber ich sage euch: vergesst es, die rosige jugend kehrt nimmer wieder! nr. 43b sagt wie alle kollegen und kolleginnen artig "grüezi" – das könnten schon 20 000mal sein in den drei "open days"-tagen. höhepunkt des "garden restaurant" sind die vorhänge aus metallkugel-schnüren: sie erinnern an grausame ritter mit blutigen streitäxten. vor dem runden ballsaal hängen mächtige kugellampen aus glas. ihr herz erinnert an stellare geburten.
wer sich die noble sache im gänsemarsch angeschaut hat und kein narr ist, der möchte natürlich ab april selber hier tafeln und kuscheln. nicht alle können das. alle könnten das. es ist so einfach: sämtliche vermögenswerte aller bewohner helvetiens werden beschlagnahmt, addiert und – ohne schummeleien – an alle hier lebenden nasen verteilt. zu gleichen teilen, bien sur.
na, war das so schwer? gehts jetzt nicht allen besser?!
kostverächter, die trotz der nun schön fetten sparsau nicht ins "the dolder grand" möchten, können natürlich auch ins hotel mulo gehn, wo die zimmer mit benzin gefüllt sind. informationen und reservationen bei grillandus erhältlich.
der rundgang ist nach 50 minuten zu ende. die frühlingssonne kost das moos auf dem gartenhag von kurhausstrasse 54, dem schauplatz der tomatenflucht anno 1983.
a propos carla bruni und platonisch: warum nur?! bock auf dicke?! die antwort stammt von lucas cranach und heisst "venus mit dem honig stehlenden amorknaben" (1526, siehe bild oben rechts). schleckmaul amor hat die wabe geklaut und jetzt drangsalieren ihn die heissen bienen. mama venus, das knackige luder, soll trösten. die moral von der geschicht: "so schadet uns auch die kurze vergängliche wollust, die wir begehren: mit herbem schmerz ist sie vermischt."
open days in "the dolder grand" noch morgen samstag, 29. märz, 9 bis 17 uhr.
