

das leben, um das wir nicht gebeten haben und das sich einem fernen, hoffentlich bekömmlichen schäferstündchen verdankt, ist kein zuckerschlecken. man denke nur an die gletscherkalte schulter, die uns phyllis gezeigt und an das schwere schuhwerk, mit dem florinde die zarten blumen unseres verlangens zertrampelt hat. umgekehrt wirds nicht besser sein: auch wilbur und isenbert sollen schweinehunde, malparidos und hijueputones sein, hört man. so ist es vonnöten, dem herben leben listenreich momente der süsse abzutrotzen. aber wie? für heute eine erste anweisung:
nichts gegen ein gläschen weissen und einen humpen haldengut, aber die altehrwürdige mixkultur kann das nicht ersetzen. wir verneigen uns vor dem grossen meistermixer harry schraemli. wer über eine hand gebietet, die noch nicht vom tremor regiert wird, der versuche sich an der herstellung eines pousse-café. obacht: die einzelnen (mit vorteil: verschiedenfarbigen) schnäpse dürfen sich nicht vermischen - kein kinderspiel. schraemli meint, dass pousse-cafés "prinzipiell nur damen empfohlen" werden können. ich wage, zu widersprechen. der genuss eines pousse-café ziemt auch dem herrn, denn das anzapfen der einzelnen schichten (maraschino, chartreuse, erdbeersirup, crème de menthe, weisser kümmel etc.) mittels saughalm ist archäologisches unisex-vergnügen. wer aber lieber geschütteltes oder gerührtes hat, wählt einen schraemli-cocktail mit besonders klingendem namen: "gloom chaser", "grossmütterchen", "first love", "death in the afternoon", "spinat mit ei" oder "oblivion". namen sind ja enorm wichtig - schliesslich zerbricht man sich ja auch bei der lendenfrucht-planung den kopf: "dawn" oder "aurora"?
leider sind die zahlreichen werke von harry schraemli bereits "into oblivion" gesunken, doch bei zvab.com findet sich noch allerhand. in st. moritz weilende sollten es nicht verpassen, in der buchhandlung wega reinzuschauen: schraemlis "meistermixer" liegt dort auf in einer hübschen ausgabe, gebunden in balladursocken-rot. natürlich ist es auch schön, sich cocktailistisch bedienen zu lassen. da siehts schlecht aus bei uns. doch eine perle funkelt noch aus der kneipenöde und zwar genauso wie in den 50er-jahren: die chesa-bar in klosters. hört wie die ode an den unvergesslichen comandante che guevara aus der kehle von aldo quillt und trinkt ein paar "negroni"!

2 Kommentare:
Ave Grillandus! So gehe ich die Wette ein, dass dies nicht der einzige Kommentar auf diesem Blog bleibt. Denn wer kann sich der Anziehungskraft des Schlürfens geschichteter Drinks widersetzen?
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