


die wahrheit ist meist bitter, und dies ist die wahrheit: das verkaufspersonal hienieden ist gar nicht nett. es ist frech, grob, blasiert und gelangweilt. letzteres kann man ja noch teilweise verstehen. von morgenrot bis abendrot im kleiderladen stehen muss schrecklich sein. zum beispiel am zürcher paradeplatz im traditionshaus "grieder", wo sich die alten schachteln mit scheusslichkeiten ausstatten, die allenfalls ihren töchtern stehen würden. bei H & M ist ja wenigstens ein bisschen betrieb, aber den ganzen tag diebstahlsicherungen abschrauben und hemdchen falten, ist trotzdem schlimm. und dann die löhne: die sollen ja ganz mies sein (aber immer noch besser als die von freien journalisten). nicht besser siehts aus in den restaurants. auch hier ist das personal frech, grob, blasiert und gelangweilt. die eine grosse ausnahme soll aber nicht unterschlagen werden: "rheinfelder bierhalle", zürich, schweiz. wers nicht glaubt, lasse sich von den beiden "vögeli" oder "geiern" eine gewaltiges cordon-bleu servieren. für die hier skizzierte problematik gibt es eine lösung, die allerdings kurzfristig mit gewissen turbulenzen verbunden sein dürfte. doch auch hier gilt: nur radikale lösungen funktionieren. die lösung lautet: sämtliches personal in den läden und restaurants ist zu feuern und durch automaten zu ersetzen, so dass man endlich in ruhe essen und einkaufen kann. "the automat" (erstes bild), eröffnet 1912 beim times square in new york könnte vorbild sein: warme und kalte, süsse und salzige leckerbissen konnten nach münzeinwurf aus einem der zahlreichen glasfächer bezogen werden. kaffee floss stilvoll aus verchromten delfinköpfen. und weit und breit kein kellner, keine kellnerin. "the automat" war übrigens ein riesenerfolg. 1939 gabs bereits 40 filialen in new york, die zusammen täglich 800 000 grössere und kleinere Mahlzeiten verkauften. das personalfreie restaurant müsste also möglich sein. möglich müsste es auch sein, seinen blumenkohl und seinen eselsalami im laden ordnungsgemäss zu bezahlen ohne die mürrische einwirkung einer kassiererin. was mit den gefeuerten geschehen soll, weiss ich auch nicht. ich werde darüber nachdenken.
oft und zu recht hört man: früher war es besser. ob das auch in sachen servierpersonal zutrifft? die antwort lautet: ja. es war freundlicher und hübscher wie auf den bildern 2 und 3 eindeutig zu erkennen ist (der rollschuh-service für drive-in-kunden war schon klasse - wie schade, dass wir noch nicht waren!).
sollte sich meine doktrin durchsetzen, wird also friede herrschen in spelunken und gourmettempeln, im hobby-markt und bei "grieder". das aber hat einen haken. ich werde dann fräulein l. aus der papeterie, fräulein d. aus dem bioladen und fräulein e. aus dem duftwasser-laden nie wieder sehn. vielleicht ist in diesen fällen eine sonderregelung vorzunehmen.



